Fürstenauer Leib-, Geist- und Seelsorge-Häuser

Haus des Apothekers Rump Ecke Bahnhofstr. / Adenauerstr. später genannt "Villa Storm"

 

Einer der bekanntesten Ärzte im 18./19. Jahrhundert in Fürstenau war F.W. Dorfmüller. Über seine Alltagstätigkeit hinaus war er Wiederbegründer des Schützenwesens in Fürstenau und veröffentlichte in Arztblättern die allgemeine und medizinische Situation in Fürstenau. Sein Domizil hatte er im Haus St.-Georgstraße 5. Für die Zeit um 1770 finden wir im Haus Schwedenstraße Nr. 24 den Chirurgen Scheuer. Chirurgen waren keine ausgebildeten Ärzte und durften nur eingeschränkt medizinisch tätig sein, z.B. bei Knochenbrüchen.

Von 1801 bis 1824 lebte und praktizierte Dr. med. Nölken im Haus Große Straße 45.

Tierarzt Bartels wohnte um 1840 im Haus Große Straße Nr. 25 und hatte dort seine Praxis. Und im Haus Große Straße Nr. 14 gab es um 1870 den Dentisten W.F. Wübbel.

Es lässt sich festhalten: Fürstenau war im 19. Jahrhundert medizinisch vielfältig versorgt.

Durch eine sehr alte Tradition ist der Apothekerstand in Fürstenau gekennzeichnet. Bereits 1615 wird im Bürgerbuch ein Clauß Brunes als „prober“ (= Apotheker) notiert. Er wohnte im Haus Burgstraße Nr. 6. Noch für 1710 wird für dieses Haus ein Apotheker Bruns erwähnt.

Von einem Apotheker Hinrich Lohbecke erfahren wir erstmals 1723. Fast gleichzeitig erfolgt ein Eintrag im Bürgerbuch für Diderich Hermann Isfordt. Seine Apotheke hat er im Haus Große Straße Nr. 5 eingerichtet, das bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein Apothekerhaus blieb.

1783 lässt sich neben diesem Standort eine weitere Apotheke im Haus Große Straße Nr.37 nachweisen. Der dortige Inhaber Muhle war aufgrund der Heirat einer Fürstenauerin aus Oldenburg nach Fürstenau gekommen. 1788 wurden beide Apotheken verwandschaftsbedingt unter August Wischel zu einer einzigen im Hause Große Straße 5 vereinigt. Von Wischel ging wiederum durch Erbschaft dieser Standort an den Apotheker Rump, gebürtig aus Freren, über, der dann 1847 an der Haselünner Straße eine neue Apotheke erbaute. Diese blieb lange Zeit die einzige in Fürstenau. Erst seit den Achtzigerjahren des 20. Jahrhunderts kam es zu Apotheken-Neugründungen.

Die Seelsorger der Stadt Fürstenau und ihre Helfer wohnten selbstverständlich in der Nähe der Kirche. Da Kantor und Küster oft auch den Schulunterricht versahen, finden wir Schulgebäude ebenfalls in der Nähe der Kirche. Als nach dem Dreißigjährigen Krieg Fürstenau evangelisch wurde und nur wenige Bürger katholisch blieben, gab es zunächst nur ein evangelisches Pfarrhaus und eine evangelische Schule. Das Pfarrhaus stand am Platz des heutigen evangelischen Gemeindehauses, die Schule war im Obergeschoss des Kantorhauses an der Westseite des Marktplatzes eingerichtet und der Küster bewohnte das daran anschließende Küsterhaus. Die Inschrift “ Was zwanzig drei aufgerichtet, hat zwanzig acht zerstöret. Gott steh uns bei. Schütz Kirche, Fründ und Küsterei“ ist noch heute im Hausbalken zu lesen.

Die Katholiken waren nach Schwagstorf verwiesen. Allerdings besaß der dortige Kaplan weiterhin als Vikar des Vikariehaus an der St.-Georg Straße 15 und war somit im evangelischen Fürstenau präsent. Dies führte zu vielen Reibereien. Später wohnte hier der Lehrer der katholischen Volksschule. 1923 wurde durch ein Legat das Haus St.-Georgstraße 9 Vikariehaus. Der katholische Arzt Dr. Quirll vermachte schließlich sein Wohnhaus am Stadtpark der katholischen Pfarrei, die seit 1803 wieder existierte, als Pfarrhaus. Dies wurde kürzlich abgerissen.

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